Bonus-Kultur

Allgemeines

Boni bewegen sich an der Schnittstelle von Psychologie und Oekonomie.

Die Daseinsberechtigung von Boni liegt in ihren Chancen, wenn sie folgende Ansprüche angemessen und fair erfüllen:

  • Leistungsgerechtigkeit
  • Attraktivitätssteigerung Arbeitgeber
  • Motivationsmittel.

Anforderungen an Bonus-Modelle

Die theoretischen Anforderungen an Bonus-Modelle sind:

  • Einfachheit des Vergütungssystems
  • Einklang von Management- und Aktionärsinteressen
  • Förderung langfristigen Denkens
  • Symmetrie von Gewinnchancen und Verlustrisiken
  • Abgeltung von Erfolg und nicht Belohnung durch einen Börsenboom

Leider führen die Versuche zur Belohnung von Erfolg meistens zu komplizierten Vergütungssystemen. Oft heisst die Losung:

Aktionäre als eigentliche Entscheidungsträger bzw. Betroffene

In erster Linie sind die Aktionäre durch exorbitante Vergütungssysteme betroffen. Ihnen gehen letztlich die Mittel, die für Boni ausgeschüttet werden, ab.

Für Aktionäre, insbesondere für institutionelle Investoren, sind aber meistens einzig massgebend:

  • Stimmige Rendite (Performance)
  • Manager-Vergütungssystem mit echten Leistungsanreizen.

Vgl. aber unten die Box „Bonus-Politik“, systemrelevante Unternehmen

Verhältnismässigkeit?

Von Ausnahmen abgesehen sind Boni in Grosskonzernen angesichts von Umsatz- und Gewinn-Volumina oft vernachlässigbar.

Fehlende konsequente Handhabung / Systemversagen

Schwieriger wird die Sache, wenn das Unternehmen Verlust schreibt und Bonus-Pools in Quantitativen zum Einsatz gelangen, die den Unternehmens-Verlust übersteigen. Da macht sich dann das „Systemversagen“ bemerkbar, dass die konsequente Anwendung der „Leistungsgerechtigkeit“ heute mangels Loyalität zum Unternehmen zu einer Abwanderung von wichtigen „unschuldigen“ Leistungsträgern führen würde. Die Erfolgsabgeltung verkehrt sich plötzlich zur Existenzgefahr für das Unternehmen.

Bonuskultur-Entwicklung der letzten Jahre

Die Bonus-Modelle haben sich in den letzten Jahren – wenn auch in zu geringem Masse – in die richtige Richtung entwickelt:

  • Längerfristige Ausrichtung
  • Abnahme der Asymmetrie (grosse Bonuschancen bei geringen Risiken)
  • Steigerung des Mitarbeiterbeteiligungsanteils (Aktien oder Optionen), zu Lasten des Fixlohns

„Bonus-Politik“

Volksinitiative „gegen die Abzockerei“

Weil die Unternehmen bzw. Grossunternehmen ihre Vergütungssysteme für den Normalbürger nicht nachvollziehbar bzw. wirklich leistungsgerecht handhaben, haben sich die Politik und Ständerat Dr. Thomas Minder des polarisierenden Themas angenommen.

  • Mit seiner „Abzocker-Initiative (auch „Minder-Initiative“ genannt) ist nun die Schweizerische Stimmbevölkerung berufen, zu entscheiden, was rechtens ist; dabei kann das Volk auch die Stimme dem indirekten Gegenvorschlag des Parlaments geben. – Die „Abzocker-Initiative“ enthält weitgehend starre Regeln. Der indirekte Gegenvorschlag des Parlaments achtet die Aktionärsdemokratie und gibt den Aktionären die Möglichkeit, die „Vergütungen“ an die Branchen- und Unternehmensverhältnisse anzupassen.
  • Die Volksabstimmung über „Abzocker-Initiative“ und Parlamentsgegenvorschlag findet am 03.03.2013 statt.

Weiterführende Informationen:

Systemrelevante Unternehmen (Too Big to Fail)

  • Stimmbürger und Steuerzahler sind natürlich da betroffen, wo der Staat Unternehmen retten muss (zB UBS AG in 2008) und dem nicht erfolgreichen Management gleichzeitig Boni auszurichten sind.
  • Aber auch hier gilt die unentschuldbare Desillusion: Nicht alle Mitarbeiter sind gleichermassen für einen Verlust verantwortlich, dem Management steht der Bonus näher als der Arbeitgeber und die Abwanderung von Leistungsträgern zur Konkurrenz würde das Fallierungsrisiko des angeschlagenen Unternehmens durchaus erhöhen.

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